Dein Partner macht dich wütend: Das kannst du jetzt tun

Wer kennt es nicht? Er nimmt die letzte Wasserflasche aus dem Kasten und schreibt es nicht auf den Einkaufszettel. Er stellt das dreckige Geschirr auf den Geschirrspüler statt es wegzuräumen. Er wischt nie die Krümel weg, wenn er krümelt.

Und du?

Könntest ausrasten!

Die Wut tut deiner Beziehung schlecht

Eventuell stört es dich selbst, wenn du ihn immer tadelst und meckerst, er solle sich doch bitte an deine Regeln halten. Vielleicht kommst du dir vor, wie eine Mutter. Und vielleicht fühlt er sich wie ein Kind behandelt. Weder das eine noch das andere macht Spaß – für beide Seiten nicht.

In anderen Momenten, dann, wenn du entspannt bist, erkennst du auch, dass es sich um sinnlose Lappalien handelt. Und doch gehen Beziehungen am Haushalt kaputt. Das Blöde ist: Er ist nicht dazu da, dir alles recht zu machen.

Wahrscheinlich gefällt dir diese Aussage nicht. Dennoch: Dein Partner ist nicht dazu da, seine Gewohnheiten vollständig an deine anzupassen. Er hat eben seinen eigenen Lebensstil. Und das ist kein Verbrechen. Indem du wütend reagierst, bringst du jedoch “das Gift” in die Beziehung und verschlechterst eure Beziehungsqualität. Das sollte dir bewusst sein.

Die gute Nachricht: Es geht im Endeffekt nicht um die letzte Wasserflasche oder um die Krümel.

Um was geht es wirklich?

Was macht das also mit dir, wenn kein Wasser mehr da ist oder du seine Teller in den Geschirrspüler räumen “musst”? Welche Gedanken kommen dann hoch? Vielleicht fühlst du dich minderwertig behandelt, weil du die Arbeit hast, während er Fernsieht, Computerspiele zockt o. ä.

  • Vielleicht glaubst du insgeheim, dass du dich nicht auf ihn verlassen kannst, weil er sich nicht um den Haushalt und die anstehenden Aufgaben schert.
  • Vielleicht denkst du, dass du ihm egal bist?
  • Dass er dich und deine Art ausnutzt? Dass er dich missachtet?
  • Vielleicht stellst du sogar in Frage, ob er dich noch liebt, weil er dich, deiner Meinung nach, geringschätzig behandelt.

Wut ist die Folge von Trauer, Angst oder Verletzung

Was es auch ist: Vor der Wut stand etwas anderes, nämlich Trauer oder Angst. Denn, wenn du insgeheim glaubst, dass dein Freund dich nicht wertschätzt, ist das verletzend und macht dich traurig. Und dann springt der innere Verteidiger an: Deine Wut. Sie sagt: “So nicht, Freund. Das lass ich nicht mit mir machen.” Du fängst an zu meckern, Spitzen auszuteilen oder laut zu werden.

Stell dir vor die Trauer ist ein kleines, süßes Mädchen. Dieses Mädchen wird nun mit Füßen getreten und schlecht behandelt. Zumindest in deiner Vorstellung. Und die Wut ist die große Schwester, die sich schützend vor die Kleine stellt und sich mit dem Angreifer anlegt.

Dummerweise begünstigt du mit diesem Verhalten wiederum genau das, vor dem du Angst hast. Denn wenn das über Jahre so geht und sich womöglich immer weiter zuspitzt, wird dein Freund dich vielleicht wirklich irgendwann verlassen oder du ihn. Auch er fühlt sich folglich durch deine Vorwürfe geringschätzig behandelt und lernt, dass er immer alles falsch macht. Auch er wird dadurch verletzt und will sich verteidigen.

Seine inneren Verteidiger springen also an, sobald du von deiner Wut gesteuert handelst.

  1. Entweder ihr streitet euch in der Folge, 
  2. er macht zähneknirschend um des Friedens willen, was du willst, 
  3. oder er macht aus Trotz und Prinzip nicht, was du verlangst.

Das macht euer Leben stressig und anstrengend. Dabei seid ihr doch ein Liebespaar.

Halten wir also fest: Wut ist das zweite empfundene Gefühl. Doch weil das so blitzschnell geht, merken wir das oft nicht. Die Wut will dich vor Trauer und Angst beschützen. Sie will dich wappnen, dich kampf- oder fluchtbereit machen.

Dein Freund greift dich nicht an

Das Ding ist, dass dein Freund dich gar nicht angreifen will. Er hat nichts Böses im Sinn. Seine Motivation ist definitiv nicht: “Der wische ich jetzt Mal richtig eins aus. Ich will, dass es ihr schlecht geht.” Sondern er denkt viel eher: “Ich hab jetzt Bock zu zocken, mein Kumpel wartet schon. Ich geh schnell und räum den Teller später weg. Ich freue mich. Das wird super!”

Er denkt gar nicht über dich nach. Wir neigen oft dazu, Dinge als persönlichen Angriff zu werten und unterstellen anderen schlechte Absichten.

Was ist, wenn Menschen immer positive Absichten mit ihrem Handeln verfolgen? Was ist, wenn es überhaupt nichts mit dir zu tun hat?

Trotzdem nervt es dich. Was kannst du also tun?

Ein Anfang ist, wenn du das, was ich schreibe, nachvollziehen kannst und dir bewusst wird, dass es um Trauer oder Angst geht. Frage dich also erstmal: Was kam vor der Wut?

Halte deine Wut solange aus und versuche nicht nach ihr zu handeln. Wenn du merkst, dass sie dich überschwemmt und dein Partner anwesend ist, kannst du aus dem Zimmer gehen und dich erstmal mit dir selbst beschäftigen.

Boxe ein paar Mal ins Leere, schrei in ein Kissen oder verprügel deine Bettmatratze. Vielleicht fängst du dabei an zu weinen. Sehr gut! Wenn du deiner Wut etwas Luft gemacht hast, kannst du dich dem verletzten Teil in dir zuwenden und einfach anerkennen, dass dich sein Verhalten ein Stück weit verletzt. Und ja, das ist nicht schön.

Jetzt bist du erwachsen und möchtest dich auf deine Weise darum kümmern.

Wenn du frei von Wut bist (vielleicht dauert das eine Weile und du musst erstmal eine Nacht drüber schlafen) und gesehen, gehört oder gefühlt hast, um was es wirklich geht – wie willst du dann damit umgehen? Wenn du dich selbst ernst nimmst, dich um dich kümmerst, aber auch deinen Partner respektvoll behandelst.

Wenn du euer Ziel im Blick behältst: Dass ihr beide glücklich zusammenleben und als Team agieren wollt, in dem beide auf den anderen achten.

  • Wo es um Liebe geht und nicht um Hass.
  • Um Zusammenhalt und nicht um Kampf oder Machtspiele. 
  • Wenn du danach handelst, dass es besser und nicht schlechter zwischen euch werden soll. Das hast du nämlich gerade in der Hand.
  • Dass du dir vor Augen hältst, dass es um eine der wichtigsten Personen in deinem Leben geht. Eine Person, die dich liebt und die du liebst.

Wie willst du dann mit der Situation umgehen?

Das Gespräch auf Augenhöhe suchen

Wie wäre es, wenn du also statt des Meckerns und mit Vorwürfen um dich schießend ein Gespräch auf Augenhöhe suchst? Und wenn du dich in diesem Gespräch verletzlich zeigst und ganz aufrichtig erzählst, wie es dir damit geht. Wenn du jetzt findest, dass dich das ziemlich viel Mut kosten wird, ist das genau der richtige Weg. 😉

Du handelst also entgegengesetzt dessen, wie du es sonst handhabst. Aus Wut wird Mut. Ist das nicht ein tolles Wortspiel?

In diesem Gespräch darfst du sagen, dass dich das wütend gemacht hat, weil ein Teil in dir das als Angriff wertet. Dass du dich teilweise (! wichtig !) geringschätzig behandelt fühlst, auch wenn du weißt, dass das nicht seine Absicht ist. Dass du keine Lust mehr auf diesen Kindergarten hast und ihn lieber daran teilhaben lassen willst, was das macht dir macht. Einfach, damit er dich besser versteht, dich wieder ein Stück mehr kennenlernt und dich besser einschätzen kann. Du darfst sagen, dass es dich Überwindung kostet darüber zu sprechen. Aber dass du statt Streit lieber Zusammenhalt fördern willst.

Darin sind Null Vorwürfe. Trotzdem sagst du, wie es ist und stehst zu dir. Dein Partner hat nun die Möglichkeit betroffen und mitfühlend zu reagieren, statt trotzig oder pissig. Und weil er ein Interesse daran hat, dass es dir gut geht, wird er sich Gedanken machen, was er für dich tun kann und vielleicht seine Sachen mit einer positiven Motivation (dich glücklich zu machen) wegräumen. Bestimmt nicht jedes Mal, aber er wird sich garantiert in irgendeiner Form Mühe geben.

Falls du das irgendwann Mal mitkriegst, darfst du ruhig Mal Danke sagen. Denn wer meckern kann, dass der Partner etwas falsch macht, kann auch würdigen, wenn er etwas für dich macht, obwohl er es normalerweise nicht so handhaben würde. Verstehst du, wie viel da drin steckt?

Alles Gute,

Tina

Du kennst das auch, dass du manchmal total zwiegespalten bist oder dich anders verhältst als du es willst und möchtest dem auf die Spur gehen?

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