Die Klientin, die anderen nicht absagen wollte

Jemandem abzusagen, fällt vielen oft schwer. Bei nahestehenden Personen und, wie in diesem Fall, bei fremden Menschen gleichermaßen. Die Verabredung, die seit Wochen steht kurzfristig zu canceln, einem Freund nicht beim Umzug zu helfen oder wie bei meiner Klientin, dem Arbeitgeber abzusagen. Was geht da eigentlich in uns vor und wie kannst du in solchen Momenten mit dir selbst besser umgehen?

Warum sagen wir anderen nicht gerne ab?

Die Situation meiner Klientin

In einem meiner Coachings ging es kürzlich darum, dass die Klientin gerne Bewerbungen schreiben wollte, aber nicht in die Umsetzung kam. Ich fragte sie, was sie mit dem Bewerbungsprozess verband und was für Gefühle sie habe, wenn sie daran denke. Sie meinte, dass sie nicht gut genug sei und Angst vor einer Absage habe. Außerdem habe sie das Gefühl, wenn sie eine Bewerbung abschicke, müsse sie auch schon sicher sein, dass sie dort wirklich arbeiten wolle. Zu einem Gespräch eingeladen zu werden, dieses zu bestehen und dann aber abzusagen, käme ihr falsch vor.

Ich bin ein schlechter Mensch vs. Ich muss mich um dich kümmern.

Ich fragte: “Ist das dann eher so, dass du denkst: “Oh je, wenn ich denen absage, dann sind die böse auf mich? Dann können die mich nicht mehr leiden?” Oder ist es eher so ein: “Die armen Menschen, jetzt haben die sich soviel Mühe gemacht mit mir und nun sage ich ab?”” Für sie war es ersteres.

Was ist der Unterschied zwischen den Gedankengängen? Machst du dir Sorgen, dass dein Gegenüber dir böse sein wird, dann bist du in einer kindlichen Haltung. Dann ist dir klar: Wenn du dich nicht anständig anpasst und gehorchst, wie es sich für ein Kind gehört, wirst du dafür vom Gegenüber zurechtgewiesen.

Bist du der Annahme, dass derjenige nach der Absage nicht gut zurechtkommt und mit schlechten Gefühlen zu kämpfen hat, à la: “Jetzt hat der einen Nachteil und ist bestimmt enttäuscht, das möchte ich dem nicht antun”, bist du eher in einer überfürsorglichen “Mutti-Haltung”. Du willst dich um sie kümmern, dass sie zufrieden sind und dafür nimmst du Stress auf dich, der dir nicht gut tut. Hauptsache denen geht’s gut.

Keine von beiden ist eine Haltung aus der wir handeln sollten, es aber oft tun.

Erwachsen handeln heißt die Alternative

Nun stell dir vor, du bist erwachsen und die anderen sind es auch!

Das bedeutet,

  • du nimmst dich wirklich wirklich ernst.
  • Du hörst also auf zu jammern oder deine Bedürfnisse herabzuspielen.
  • Du achtest auf dich und trittst für das ein, was dir wichtig ist.
  • Du sorgst dafür, dass es dir gut geht und kümmerst dich darum, dass du glücklich bist.
  • Du stehst für dich ein und weißt, dass du mit möglichen Konsequenzen umgehen kannst.

Wie fällt dann deine Entscheidung aus?

Meine Klientin wurde dadurch daran erinnert, dass es ihr gutes Recht ist, Angebote auch abzulehnen. Dass der Bewerbungsprozess dafür da ist, dass beide Seiten sich kennenlernen und danach entscheiden dürfen, ob sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen können. Nicht nur, dass das Unternehmen sie kennenlernt, ihr alle Fragen stellt und dann eine Entscheidung fällt, die der Bewerber auf jeden Fall annimmt.

Ich fragte sie: “Und wenn du jetzt davon ausgehst, dass der Personaler bei einer Ablehnung sauer auf dich ist. Wie denkst du jetzt aus der erwachsenen Haltung darüber?” 

“Dann ist mir das egal und ich weiß, dass sie oder er dann auch nicht in einer erwachsenen Haltung ist. Das wäre ziemlich unprofessionell.”

“Finde ich auch. Ich kann mir auch vorstellen, dass die gar kein Interesse an Leuten haben, die vorher schon wissen, dass sie nicht bei ihnen arbeiten wollen bzw. dass es nicht passt.”, fügte ich hinzu.

Am Ende des Gesprächs sagte sie, sie habe jetzt richtig Lust bekommen, sich zu bewerben.

Fazit

Manchmal ist es so banal und doch erkennen wir selbst nicht, wenn wir in eine Haltung abrutschen, die uns und anderen nicht gut tut. Meine Klientin hatte dadurch mehrere Tage lang vermieden, sich zu bewerben. Sie trug einen inneren Konflikt aus, weil die Stimme, die sagte: “Du musst dich bewerben.” natürlich immer wieder anklopfte und Druck auslöste. Das kostete sie wiederum Energie, wodurch sie ihre freie Zeit nicht 100%ig genießen konnte.

Wenn du in einer ähnlichen Situation steckst, frage dich also einmal: “Wenn ich mich und meine Bedürfnisse wirklich ernst nehme, wie entscheide ich mich dann?” und lass mich gern Mal hören, ob sich da was bei dir verändert oder ob es dir gar nicht hilft.

Du kennst das auch, dass du manchmal total zwiegespalten bist oder dich anders verhältst als du es willst und möchtest dem auf die Spur gehen?

Schreib mich gern an. Ich unterstütze dich dabei, Antworten zu finden.