Du traust dich nicht, das, was du willst, anzugehen? Du reagierst schnippig, wenn dich jemand kritisiert? Du sagst anderen gern, wo ihre Fehler liegen und wie sie es (deiner Meinung nach) hätten eigentlich machen müssen?
Es ist nicht unüblich, dass wir in herausfordernden Situationen unbewusst eine Haltung einnehmen, die uns selbst behindert und schlechte Ergebnisse hervorbringt. Im Coaching-Prozess ist es daher meine Aufgabe diese Haltungen bei meinem Klienten sowie auch bei mir selbst stets im Auge zu behalten und immer wieder zu überprüfen. Wenn wir die „richtige“, also die erwachsene Haltung einnehmen, kann das sehr hilfreich für die Lösungsfindung sein. Denn dann werden neue Denkräume angestoßen und wir begegnen der Sache wieder mit Herz und Verstand und können so, viel klarer sehen und besser entscheiden, was zu tun ist. Was im Einzelnen damit auf sich hat, erfährst du hier.
Welche Haltungen gibt es und was bedeuten sie genau?
Das Kind-Ich
Sicherlich hat es mittlerweile nun auch schon jeder einmal gehört, dass wir Strategien und Verhaltensmuster, die in der Kindheit funktioniert haben, auch als Erwachsene weiterhin anwenden. Der Satz: „Das ist ja wie im Kindergarten.“ kommt nicht von ungefähr. Denn es stimmt. Teilweise benehmen wir uns einfach kindisch. Hier unterscheiden wir drei Kategorien.
- die angepasste, unterwürfige Haltung: In dieser Haltung sind wir eher ängstlich. Wir stehen nicht für uns selbst ein, weil wir Angst vor den Konsequenzen und vor Ablehnung haben. Lieber passen wir uns an und tun Dinge, die uns nicht guttun. Wir halten uns zurück, ecken nie an, sind immer nett und brav. Davon erhoffen wir uns Sicherheit. Aber unser Selbstwertgefühl leidet unter diesem Verhalten.
- die weinerliche, hilflose Haltung: Wir sehen keinen Ausweg mehr und malen die Dinge sehr schwarz. Wir fühlen uns überfordert, ohnmächtig und schwach. Wir möchten am liebsten, dass jemand anderes kommt und uns unsere Aufgabe abnimmt. Daher zeigen wir uns hilfsbedürftig, jammern und klagen über unsere Umstände.
- die aggressive, auflehnende Haltung: Wir reden bspw. nicht mehr mit dem anderen, weil wir bockig oder beleidigt sind. Wir knallen Türen, fluchen, rennen weg. Sätze, wie “Ich will das aber trotzdem!” (Auch wenn es nicht geht), “Dann sag ich halt gar nichts mehr.”, “Von dir lass ich mir gar nichts sagen.” passen zu dieser Haltung. Sie wird oft mit Selbstbehauptung verwechselt.
Das Eltern-Ich
Auch die Art unserer Erziehung übernehmen wir natürlich in unser Erwachsenen-Leben. Entweder auf ähnliche Art und Weise oder wir strengen uns an, genau das Gegenteil von dem zu tun, wie wir selbst erzogen wurden. Grundsätzlich aber unterscheiden wir hier zwei Haltungen:
- die strafende, strenge Haltung: Dies kann dazu führen, dass wir bspw. ein autoritäres Verhalten zeigen, um andere gehörig zu machen. Wir bewerten, strafen und beurteilen. Auch zu uns selbst sind wir gern überaus streng. Dann hören wir uns Sätze sagen, wie: “Wie dumm bist du eigentlich?”, “Kannst du nicht einmal was richtig machen? Das war ja wieder klar.” Auch die Formulierung “Ich muss” kann ein Zeichen dafür sein, dass wir uns im Eltern-Ich befinden: “Ich muss mich mehr anstrengen.”
- die überfürsorgliche, aufopfernde Haltung: In dieser Haltung kümmern wir uns bspw. um Angelegenheiten anderer. Wir möchten unterstützen, auch, wenn wir eigentlich keine Kraft dazu haben. Es gelingt uns nicht, Nein zu sagen und stellen unsere Bedürfnisse hinter die der anderen. Wir lassen uns selbst alles durchgehen und vergessen Dinge, die wir durchaus ernst nehmen sollten.
Wechselwirkung zwischen Kind- und Eltern-Ich
Eltern- und Kind-Ich können sich um Umgang mit anderen bedingen. Soll heißen, wir drücken eine andere Person automatisch in die gegenteilige Position, in der wir gerade sind. Wenn wir bspw. weinen und überfordert sind, ist es nicht selten, dass mein Gegenüber in die elterliche Haltung wechselt. Entweder sagt er dann sowas wie: “Nun reiß dich Mal zusammen und heul nicht so rum.” oder wird überfürsorglich und bemutternd. Ist jemand streng und beurteilend, kann es gut sein, dass wir unterwürfig oder aber trotzig reagieren, usw.
Bei einem inneren Konflikt, wechseln wir selbst zwischen Eltern und Kind-Ich hin- und herspringen. Bekannt ist das Beispiel von Engelchen und Teufelchen.
Das Erwachsenen-Ich
Weder die Eltern- noch die Kind-Perspektive ist förderlich für das eigene Wohlergehen und für unser Miteinander. Da es oft unbemerkt bleibt, ist es umso schlimmer. Wir verkrampfen und können dadurch schlechter Lösungen finden. Wenn wir uns jedoch wieder bewusst machen, dass wir gestandene Erwachsene sind, die sich selbst und ihr Problem wirklich ernst nehmen, sehen wir die Dinge aus einer stabilen, klaren Perspektive.
“Wenn du dich und dein Problem wirklich ernst nimmst, wie stehst du dann dazu?”
In dieser Haltung bin ich daran interessiert, zu Lernen, ich bin neugierig, offen und großzügig mir und anderen gegenüber. Vielleicht gewinnst du jetzt den Eindruck, dass du im Erwachsenen-Ich immer gechillt bist und alles okay findest. Das muss aber gar nicht so sein. Auch in dieser Haltung darfst du Gefühle empfinden; darfst wütend, verspielt oder enttäuscht sein. Entscheidend ist, dass du diesen Gefühlen mit Neugier und Offenheit begegnest, sie ernst nimmst und du die Verantwortung dafür übernimmst.
Beispiel 1: Eine Verabredung absagen
Du musst eine Verabredung absagen, was eine andere Person enttäuschen wird.
Im Kind-Ich mache ich mir Sorgen, dass ich die Enttäuschung zu spüren bekomme. Ich habe Angst vor dieser Reaktion, weil ich davon ausgehe, dass die Person böse auf mich sein wird. Ich fühle mich schlecht, schuldig und angreifbar. So, als hätte ich etwas falsch gemacht. Mein Blick geht in Richtung Boden. Meine Schultern ziehe ich nach oben und nehme eine eher geduckte Haltung ein.
“Es tut mir total leid, aber ich muss unsere Verabredung absagen. Sei mir bitte nicht sauer.”
Im Eltern-Ich mache ich mich verantwortlich dafür, dass die Person enttäuscht sein wird. Auch hier rede ich mir Schuldgefühle ein (“Die/Der Arme wird enttäuscht sein und du bist schuld.”). Ich empfinde Mitleid mit der Person.
“Ich muss mich bei dir entschuldigen, aber ich muss unsere Verabredung absagen. Nicht, dass du wegen mir den Abend ganz allein verbringst.”
Im balancierten Erwachsenen-Ich weiß ich, dass der andere auch erwachsen ist und mit der Enttäuschung umgehen kann. Die Dinge sind, wie sie sind, deshalb kann ich den Termin ohne Schuldgefühle absagen und eine neue Uhrzeit ausmachen.
“Ich muss unseren Termin leider absagen. Ich möchte dich natürlich trotzdem gern sehen und wollte fragen, ob du auch am XX Zeit hast?”
Beispiel 2: Zu spät kommen
Ein Freund kommt viel zu spät zu einer Verabredung mit mir.
Aus dem Kind-Ich heraus reagiere ich beleidigt und wütend. Ich rede mir ein, dass der Grund für die Verspätung der ist, dass ich ihm nicht wichtig genug sei und er mich vergessen habe. Ich überlege, einfach zu gehen, weil ich mir das nicht gefallen lassen will.
Im Eltern-Ich mache ich mir Sorgen, dass etwas Schlimmes passiert sein könnte. Vor meinem inneren Auge sehe ich bereits den tragischen Verkehrsunfall. Ich versuche ihn mehrfach zu kontaktieren und überlege, Freunde oder Arbeitskollegen zu fragen, ob sie etwas von ihm gehört haben. Ich schaue ständig auf die Uhr und werde immer angespannter.
Im Erwachsenen-Ich weiß ich, dass mein Freund mir nichts Schlechtes will und dass es viele Gründe für das Zu-Spät-Kommen geben kann. Ich bin neugierig auf das, was er erzählen wird. Ich gebe ihm Bescheid, dass ich mich derweil in ein nahegelegenes Café setze und dort auf ihn warte. Außerdem vertraue ich darauf, dass er mir eine Nachricht zukommen lässt, sobald er kann. Da ich für dieses Treffen sowieso Zeit reserviert habe, kann ich mir einen Kaffee bestellen, E-Mails beantworten oder Menschen beobachten.
Übung
Ich lade dich ein, darüber nachzudenken, wie folgende Situationen auf allen drei Ebenen (auf eine kindliche, eine elterliche und eine erwachsene Art) aussehen könnten:
- Verliebt sein
- Wut spüren
- Sich um jemanden kümmern
- Enttäuscht sein
- Andere führen

Unsere blinden Flecken sehen wir selbst meist nicht. Wenn du Lust auf persönliche Weiterentwicklung hast, melde dich gleich zu einem kostenlosen Vorgespräch mit mir an.
Wenn du dich über dieses Thema mehr belesen willst, empfehle ich dir das Buch “Mindfuck – das Coaching: Wie Sie mentale Selbstsabotage überwinden”(*) von Dr. Petra Bock.